SquareVor einen Museum für zeitgenössische Kunst in Stockholm wird eine alte Reiterstatue vom Sockel gehoben und entsorgt. Die Stelle wird anschließend durch neue Pflastersteine und ein etwa 4 mal 4 Meter großes Quadrat aus weißen Neon-Röhren markiert: als "The Square" bezeichnet und als symbolischer Schutzraum vom Künstler gedacht. Verantwortlich dafür ist Christian, der stadtbekannte Chef-Kurator des Museums, ein alerter Intelektueller um die 40 und allein-erziehender Vater zweier halbwüchsiger Töchter. Kurz darauf wird er am hellichten Tag duch einen geschickt inszenierten Trickbetrüger-Überfall seines Smartphones und seiner Brieftasche beraubt. Mit Hilfe einer App können er und sein Assistent Michael das gestolene Smartphon orten und zwar im Hochhaus eines nicht gut beleumdeten Stadtviertels. Mehr aus einem spielerischen Impuls als klarer Überlegung heraus, steckt er in jeden Wohnung-Briefkasten dieses Hauses einen anonymen Drohbrief. Er erhält dadurch zwar die geklaute Brieftasche und das Smatphone zurück, holt sich andererseits aber viel Ärger damit ein. Ein ausländisch aussehender Junge erscheint und fordert lautstark und öffentlich, daß Christian sich bei seinen Eltern für die falsche Anschuldigung duch den anonymen Brief  entschuldige.

Diese Geschichte dient dem schwedischen Regisseur Ruben Östlund aber nur als Rahmen für eine Anzahl kurzer, leicht satirischer Episoden, die miteinander wenig zu tun haben, die jedoch alle einen kritischen Blick auf die westliche Wohlstandsgesellschaft werfen:  in diesem Fall auf die blasierte Welt gut verdienender Künstler und Kunst-Vermarkter, die zwar um die schlimme Kehrseite der kapitalistischen Gesellschaft mit ihren Nicht-Privilegierten, Bettlern und  Migranten wissen, aber letzlich sich nur oberflächlich und nicht wirklich für Abhilfe oder Veränderung dieser Situation einsetzten. Sie bleiben ihrer scheinbar moralisch überlegenen Geistes- und Lebenart verhaftet - und diskutieren im selbst erschaffenen "Zirkel" munter über Kunst und deren Freiheit weiter.

Die dazwischen gestreuten Episoden sind für sich genommen meist sehr klug und witzig beobachtet. Wie die nur auf ihr Smartphons starrenden Zeitgenossen auf den öffentlichen Straßen und Plätzen. Das Interview, das Christian einer amerikanischen Reporterin gibt und wie er sich dabei in seine eigenen Webside-Texte verstrickt. Ein Gala-Dinner für die schwerreichen Sponsoren des Museums, bei dem ein halbnackter Performer wie ein brutaler Affe die Gäste so lange belästigt, bis diese ihn brutal k-o prügeln. Eine Publikums-Diskussion mit einem prominenten US-Künstler, die von einem Mann mit Tourette-Syndrom unterbrochen wird, der lautstark über die Moderatorin, seine Nachbarn und die Kunst pöbelt, diese Störung aber aus Gründen der bürgerlichen "Toleranz" ertragen werden muß.

Ruben Östlund gewann für diesen schrägen Mix aus der modischen Kunst- und Museums-Welt die diesjährige "Goldene Palme" in Cannes - trotz starker Kongurenz. Doch der elegant fotografierte Film verzettelt sich in seinen einzelnen Geschichten und Personen. Der Regisseur hat in verschiedenen Interviews seine Vorliebe für das Format der kleinen Video-Filme bei Youtube erklärt. Der lange, zweieinhalbstündige "Sqare" wirkt wie eine Ansammlung solcher Video-Clips, die durch einen etwas mühsamen Erzählfaden zusammen gehalten werden. Der kritische Blick vermag sich nicht auf eine Sache zu konzentrieren, sondern verläppert sich in - oft durchaus witzigen - Einzelgeschichten und ihren zu vielen, wenn auch hübschen Details.  So geht dem Film das Wichtigste verloren: der zupackende, scharfe Biß.

Foto/Verleih: Alamode Film

zu sehen: Capitol; CinemaxX Potsdamer Platz; Delphi Filmpalast und Delphi LUX; Filmtheater am Friedrichshain; fsk (OmU); Hackesche Höfe Kino (OmU); International; Kino in der Kulturbrauerei; Neues Off (OmU); Yorck