Billboard2Ebbing: eine fiktive, aber typische amerikanische Kleinstadt im Mittelwesten. Die ältere, kratzbürstige Mildred Hayes kocht vor Wut:  fast ein Jahr ist es her, daß ihre Tochter vergewaltigt und ermordet wurde und noch immer hat die Polizei keinen Täter ausfindig gemacht. Sie entschließt sich zu einem außergewöhnlichen Mittel. Auf drei großen, hintereianderstehenden Plakatwänden an einer Zufahrtsstraße  klagt sie an: "Im Sterben vergewaltigt" - "Immer noch keine Festnahme" - "Wie kommt's Chief Willoughby?".

Die Kleinstadt gerät in Aufruhr, allen voran die Polizei und ihr Cef Willoughby, der - wie jeder weiß - an Bauchspeichel-Krebs leidet. Doch Mildred, die mit ihrem fast erwachsenen Sohn ein bescheidenes Dasein in einem Souvenir-Laden bestreitet, bleibt stur, auch wenn sie nun von vielen Einwohnern wegen dieser Plakate geächtet wird. Dem biederen älteren Pfarrer, der sie umstimmen will, hält sie kurz und knapp dessen - durch Nichtstun bewirkte - indirekte Mitschuld an den Missbräuchen der Kirche an jungen Messdienern vor. Dem fetten Zahnarzt, der sie denunziert hat, lenkt sie tatkräftig den Bohrers von ihrem Zahn auf dessen Daumen. Mit scharfem Witz und gelegentlich kräftiger Faust setzt sie ihren verstörenden "Kampf" gegen das scheinbar tatenlose Verhalten der Polizei fort. Auch wenn sich der kranke Willoughby als durchaus vernünftiger Mann erweist, der ihr die Schwierigkeiten der Tätersuche klarmacht und der auch die massiven Vorurteile seiner Untergebenen, die mit Vorliebe Schwarze prügeln, klar erkennt:  "Wenn Sie sämtliche Cops mit rassistischen Tendenzen entlassen würden, bleben vielleicht drei übrig - und die wären Schwulenhasser". Doch als Willoughby seinem Leben ein Ende setzt, beginnen die Ereignisse in Ebbing sich zu überschlagen...

Der Film des irischen Regisseurs Martin McDonagh ("Brügge sehen...und sterben?") chargiert auf brillante Weise zwischen Komödie und Drama, zwischen schwarzem Humor und echtem Pathos. Und zeichnet zugleich das Bild der heutigen, gespaltenen (US-)Gesellschaft. Die Rollen von Opfern und Täter wechseln ständig, jede Figur hat ihre Macke, aber auch einen Zug Menschlichkeit. Das Drehbuch mit seinen immer wieder verblüffenden  Umbrüche und Wendungen, die witzig-schlagfertigen Dialoge in unverblümter Umganssprache, die bewegliche Kamera, die auch schöne Naturbilder einfängt, Schnitt, Musik, Ausstattung  -  alles zusammen ergibt einen ebenso kritischen wie unterhaltsamen Film.  Auch wenn im letzten Drittel die Story etwas überdreht wirkt und das versöhnliche Ende allzu vorhersehbar arrangiert ist.

Doch der Clou sind die drei exzellenten Darsteller der Hauptrollen. Frances McDormand als ebenso schlagfertige wie starrsinnige Mutter und rechtsbewußte Bürgerin Mildred Hayes, Woody Harrelson als der sarkastische, krebskranke Polizeichef Willoughby, der sich stolz selbst aufgibt, sowie Sam Rockwell als Sagent Dixon, ein  agressiver, spießiger Zeitgenosse voll rassistischer wie homophober Vorurteile.

Alle drei Schauspieler sind  - in unterschiedlichen Kategorieen - für den diesjährigen Oscar nominiert - ebenso wie Drehbuch, Schnitt, Musik und der Film als Ganzes.

Kluges, attraktives Kino aus Hollywood.

Poster/Verleih: Fox Deutschland

zu sehen u.a.: Babylon Kreuzberg (OmU); CinemaxX Potsdamer Platz; CineStar Sony Center (OV); Titania Palast Steglitz; Delphi Filmpalast; Delphi LUX (OmU); Filmtheater am Friedrichshain (OmU und dt.); fsk (OmU); Hackesche Höfe Kino (OmU); International (OmU und dt.); Kino in der Kulturbrauerei (OmU und dt.); Neues Off (OV); Odeon (OmU); Passage Neukölln (OmU); Kinowelt Colosseum; Yorck