ChurchillLondon im Mai 1940. Winston Churchill wird - eher als Außenseiter oder Zwischenlösung - zum englichen Premierminister ernannt. Seine Vorgänger Chamberlain und Halifax erhoffen sich, durch Friedensverhandlungen mit Hitler eine  Niederlage Englands zu verhindern. Zur gleichen Zeit sind  Teile der britischen Armée in Calais und Dünnkirchen von den vorwärtsdrängenden deutschen Truppen eingekreist. Churchill gelingt es unter Aufgabe einiger Bataillone, den Großteil der Soldaten durch Schiffe und Boote nach England heimzuholen. Verhandlungen mit Hitler lehnt er - nach starken Selbstzweiflen - ab und schwört die Briten auf Widerstand ein, auch wenn dieser "Blut, Schweiß und Tränen" kosten wird.

Diese politisch brisanten Tage verwandelt der von Joe Wright spannend inszenierte (und elegant ausgestattete) Film in ein gefühlsträchtiges Drama. Er konzentriert sich dabei auf die heftigen Auseinandersetzungen zwischen zwei diametralen Handlungsweisen: entweder diplomatisches Verhandeln mit den Nazis (Chamberlain) oder patriotischer Widerstand  ohne Kompromiß (Churchill).  Entsprechend den Gesetzen des Unterhaltungs-Films muß das politische Geschehen vereinfacht und zugespitzt werden - manchmal bis zur Oberfächlichkeit. Die Figur Churchills steht dabei im Mittelpunkt, alle anderen sind nur (gut gespielte) Stichwortgeber: Gary Oldmann - pächtig ausstaffiert von Kostüm- und Maskenbildner - verkörpert  diesen barocken Einzelgänger Churchill sehr wuchtig und überzeugend: ob als muffiger Ehemann, poltender Politiker (im Kabinett) oder überzeugender Redner. (im Parlament). Gary Oldman wurde deshalb für den diesjährigen Oscar nominiert.

Doch auch er kann nicht verhindern, daß der durchaus attraktiv inszenierte Film im Laufe seiner 125 Minuten immer mehr zum allzu pathosgeladenen Heldenepos und patriotischem Kino-Drama mutiert.

Ob sich hier aktuelle Auswirkungen des Brexit dokumentieren?

Poster/ Verleih: Universal Pictures Germany

zu sehen: Casablanca; CinemaxX Potsdamer Platz; Titania Palast; Cosima; Eva-Lichtspiele; Filmkunst 66; Filmtheater am Friedrichshain; Kino in der Kulturbrauerei; Colosseum; CineStar Sony Center (OV); Deiphi LUX (OmU); Hackesche Höfe Kino (OmU); Rollberg (OmU)