toedlicheentscheidung_poster02.jpgAndy (Philip Seymour Hoffman) und Hank (Ethan Hawke) sind Brueder; Andy, Geschaeftsmann und Angestellter bei einer grossen Firma, lebt ueber seine Verhaeltnisse und bekaempft Buero-Stress und Ehe-Probleme mit Drogen, Hank arbeitet nur gelegentlich, kann seine Zahlungen an Tochter und Ex-Frau kaum leisten. Um aus diesen wirtschaftlichen Schwierigkeiten herauszukommen, beschliessen die Brueder einen Raub-Ueberfall - und zwar auf das Juwelier-Geschaeft ihrer Eltern in einem Vorort von New York. Dieser Ueberfall misslingt, wobei ungluecklicherweise die im Geschaeft taetige Mutter erschossen wird. Es folgt ein Erpressungsversuch durch einen zufaelligen Mitwisser, und es kommt zu blutigen  Auseinandersetzungen als der Vater entdeckt, dass seine beiden Soehne die Taeter und Schuldigen sind.
Diese amerikanische Familien-Tragoedie zeigt Regisseur Sidney Lumet ("Die zwoelf Geschworenen", 1957) in einer raffinierten Vor- und Rueckblende-Dramaturgie und aus wechselnden Erzaehl-Perspektiven: ein spannender Thriller, der das Geschehen und die handelnden Personen ohne jede romantische Rififi-Verklaerung darstellt. Vielmehr schildert er nuechtern den harten Lebenskampf seiner Protagonisten, ihre Sehnsuechte nach einem besseren Dasein , ihre truegerischen Vorstellungen davon und ihre Unfaehigkeit , sie zu verwirklichen. Die zunaechst gepflegte Familien-Idylle entlarvt sich als boeser Schein, hinter dem blanker Egoismus herrscht und die nur allzuschnell zerbricht und moralische Grenzen missachtet. Leider verlaesst der Film im letzten Drittel diese kritisch-realistische Milieu- und Figurenzeichnung zugunsten eines kino-dramatischen Amoklaufes mit vielen Schiessereinen und blutigen Leichen: eine gravierende Schwaeche des Drehbuchs (Kelly Masterson). Auch die vorher exzellenten Schauspieler muessen ploetzlich grimmasieren (besonders Abert Finney als Vater) und die zuvor so vorzuegliche Erzaehl-Dramaturgie bedient nur noch stereotypische Klischees eines durchschnittlichen Thrillers. Schade, denn Sidney Lumet beweist auch im hohen Lebensalter von 83 Jahren immernoch eine kraftvolle Regie-Pranke.

Plakat/Verleih: Koch Media