bread.jpgEin Mythos wird zerstoert: der australische Filmemacher Andrew Dominik zeigt die letzten Lebensjahre des (in Amerika) legendaeren Western-Helden Jesse James und fuehrt ihn als das vor, was er historich tatsaechlich war, als brutalen, grausamen Banditen. Seine alte Bande existiert nicht mehr, unter einem Decknamen fuehrt er zum Schein fuer die Oeffentlichkeit ein "normales" Familienleben mit Frau und Kindern. Nur ein zwielichtiges Bruederpaar, Charly und Bob Ford, begleiten ihn bei gelegentlichen Ueberfaellen. Aber die beiden Ford's arbeiten auch mit der Polizei zusammen, Bob toetet Jesse und vermarktet seinen dadurch errungenen Ruhm, bis er 10 Jahre spaeter selbst ermordet wird. In breit ausgemalten Szenen, meist in kahlen, winterlichen Landschaften spielt Brad Pitt diesen Jesse James als ausgebrannten grossen Jungen, der an sich und seinem Leben zweifelt, der gleichzeitig Brutalitaet und Melancholie in sich vereint. Sein Gegenspieler ist der junge Robert Ford, intensiv von Casey Affleck verkoerpert, ein naiver Mitlaeufer, der sich aber zu Hoeherem berufen fuehlt; der Mord an Jesse ist sowohl Selbstbestaetigung als auch Ueberschaetzung.
Andrew Dominik's Film schillert doppelboedig, versucht Gegenwaertiges in der Vergangenheit zu entdecken und die Zwiespaeltigkeit Amerika's - ohne platte Analogien - sichtbar zu machen. Filmisch raffiniert gestaltet, extravagant fotografiert und mit "Gaesten" wie Sam Shepard oder Nick Cave (der auch die gesamte Musik verantwortet) bis in die kleinste Nebenrolle ausgezeichnet besetzt. Einige Laengen (der Film dauert 160 Minuten) oder allzu bedeutsam ausgespielten Szenen und Bildzeichen, schmaelern gelegentlich das ehrgeizige Projekt - Weniger waere in diesem Fall Mehr gewesen.

Foto / Verleih: Warner

gefahrundbegierde_poster_02.jpgHongkong und Shanghai im 2.Weltkrieg, die Japaner besetzen China. Eine junge Schauspiel-Studentin wird -gleich einer Mata Hari - auf den streng bewachten, kollaborierenden Geheimdienstchef angesetzt, um ihn zu ermorden. Doch zwischen den beiden ungleichen Personen ensteht eine merkwuerdige, masochistisch eingefaerbte sexuelle Beziehung, die am Schluss das gewagte Spiel zwischen Sein und Schein zum Kippen bringt. Ein historischer Spionage-Thriller also. Aber Ang Lee verzettelt sich und schwankt - offenbar unschluessig - zwischen chinesischer Zeitgeschichte, Krimi und erotischem Melodram. Alles wird angerissen, aber weder die Geschichte noch die handelden Personen gewinnen Tiefenschaerfe. Auch die Schauspieler koennen sich kaum profilieren, ihre Darstellung bleibt eindimensional. Hauptattraktion des 159 Minuten langen Film wird so die ueppige Ausstattung: schmale chinesische Kleider aus kostbaren Stoffen, elegante Interieurs und luxurioese Accessoire's; die kulissenartigen Strassen des damals multikulturellen Shanghai mit schicken Cafes, teueren Geschaeften und grossen Kino-Palaesten, in denen Hitchcocks "Suspicon" oder "Intermezzo" mit Ingrid Bergmann gespielt werden. Doch im Gegensatz zu diesen zitierten Filmen bleibt Ang Lee's Versuch, die Zeit des "film noir" wiederzubeleben, an der Oberflaeche haften. Elegant, raffiniert und sehr schoen anzuschauen, aber statt einer unter die Haut gehenden "Amour fou"  und trotz fast akrobatischer Sex-Szenen leider nur eine effektvolle historische Modenschau.

Plakat-Foto / Verleih: Tobis

plakat280x394.jpgDer Minenarbeiter Sanming aus dem Norden Chinas sucht seine Frau, die ihm vor 16 Jahren mit ihrer kleinen Tochter davongelaufen ist, in der Stadt Fengjie. Doch die Adresse stimmt nicht mehr : die Alt-Stadt ist bereits im Wasser des gigantischen "3-Schluchten-Staudammes" versunken, die restlichen, hoeher gelegenen Wohnblocks werden gerade abgerissen. Es kommt zwischen den umzusiedelnden Bewohnern, darunter viele alte Menschen, und den fuer das gewaltige Staatsprojekt verantworlichen Behoerden zu heftigen Auseinandersetzungen. Korruption und Parteienwillkuer scheinen zu herrschen. Sanming begibt sich auf eine muehevolle Spurensuche durch diese meist nebelverhangene Fluss-Gegend und ihre Gesellschaft im Umbruch. Parallel dazu, aber ohne Beruehrung, sucht eine Krankenschwester, ebenfalls aus noerdlichen Gegenden, ihren Mann, der im Management des Staudamm-Projektes arbeitet und offensichtlich den sozialen Aufstieg (auch dank einer Affaire mit der Leiterin) geschafft hat. Elegant wiegen sich die Paare auf einer luxurioesen Hotel-Terasse im Tanz und bestaunen eine frisch erbaute Bruecke, die gleich einem technischen Wunderwerk den Fluss in strahlend erleuchtetem Bogen ueberspannt. Untergang des Alten und Aufbruch in eine neue, noch unbestimmte Zeit kreuzen sich, unterschiedlichste menschliche Schicksale, soziale Spannungen, Leid, Betrug, Gemeinheit, Sehnsucht werden sichtbar, der alt-chinesische Kuli mit seinen Last-Koerben neben dem jugendlich-agressiven halbnacktem Rock-Saenger. Schnaps, Zigaretten und Handy's spielen ein grosse Rolle.
Der 37-jaehrige Regisseur Jia Zhang-Ke hat diese kritische  Bestandsaufnahme der gegenwaertigen chinesischen Gesellschaft auf grossartige Weise in eine filmische Bildsprache uebersetzt, jede Einstellung voll genauer Details, gelegentlich ins Surrealistische gesteigert, ohne in platte Metaphern zu verfallen. Alles in diesem Meisterwerk des neuen chinesischen Kinos stimmt: Schauspieler, Kamerafuehrung, Ausstattung und Musik. Es ist die scharf beobachtete Darstellung eines politischen und technischen Gross-Projektes, ausschliesslich gespiegelt auf der privaten, menschlichen Ebene. Dabei schildert der Film seine Alltags-Geschichten exakt und ohne Pathos, anruehrend, aber ohne moralischen Zeigefinger. Trotzdem kann er zwar im Ausland, nicht aber in den chinesischen Kinos gezeigt werden. Vielleicht eine Frage der Zeit ?

Plakat / Verleih: Delphi
Helmut, ein Lehrer aus Muenchen (Ulrich Noethen) und seine Frau Sabine (Katja Riemann) verbringen seit 12 Jahren ihren Urlaub am Bodensee. Ein nicht mehr ganz taufrisches Paar, wohlsituiert und schon recht verspiessert. Da taucht ploetzlich ein Schulfreund aus alten Tuebinger Tagen auf: Klaus, ein etwas windiger Geschaeftsmann (Ulrich Tukur) mit seiner jungen, immer freundlichen Gespielin Heli, einer Fitness-Trainerin (Petra Schmidt-Schaller). Obwohl Helmut den aufdringlichen Goldkettchentraeger Klaus am liebsten meiden wuerde und deshalb immer stoerrischer wird, veranstaltet man gemeinsame Segeltouren, Ausfluege oder Abendessen. Denn Sabine zeigt sich unerwartet offen und neugierig, um ihren braven Ehetrott etwas aufzupaeppeln. Erotische Stimmung liegt in der Luft, Helmut findet Gefallen an der knackigen Heli, Sabine geniesst die frechen Avancen von Klaus. Aber nach einem dramatischen Segeltoern im aufkommenden Unwetter, bei dem Klaus ueber Bord geht (mit Hemut's Nachhilfe ?), fuegen sich am Ende die alten Beziehungen wieder zusammen: Feriensturm im Wasserglas. 
Vorlage ist die bekannte Novelle von Martin Walser, die mit leichten Abaenderungen von den 70er Jahren ins Heute verlegt wurde. Regisseur Rainer Kaufmann betont vor allem das Komoediantische, inszeniert fluessig ein Sommer-Lustspiel, das aber die franzoesischen Vorbilder eines Eric Rohmer oder einer Agnes Jaoui an Eleganz und Leichtigkeit nie erreicht. Dramaturgie, Dialoge, Metaphern - die literarische Struktur dominiert, die filmischen Momente beschraenken sich auf schoene Panorama - oder wirkungsvolle Grossaufnahmen. Dass der Film dennoch sehr unterhaltsam, teilweise sogar ungewohnt attraktiv ist, das verdankt er dem brillanten Quartett seiner Schauspieler, die mit kleinsten Nuancen des Tons oder der Gestik ihre Figuren mit prall-komoediantischem Leben erfuellen. Ihrem anzueglichen Gekrabbel, ihren gegenseitigen Bosheiten und ihrer manchmal komischen Verzweiflung zuzuschauen, macht einfach Spass. Huebsches Sommer-Film-Theater vor romantischer Naturkulisse.
aufderanderenseite_poster_01.jpgEin Rentner,Tuerke,lernt in einem Bremer Puff eine tuerkische Prostituierte kennen und "kauft" sie als Lebensgefaehrtin ein. Sein Sohn ist Germanistikprofessor in Hamburg, das Heimweh aber treibt in nach Istanbul, wo er eine kleine deutsche Buchhandlung uebernimmt. Die Tochter der Prostituierten engagiert sich politisch und muss nach Deutschland fliehen, sucht dort ihre Mutter, deren wahre Taetigkeit sie nicht kennt. Sie verliebt sich in einen deutsche Studentin, sehr zum Unwillen von deren gutbuergerlicher Mutter. Als sie durch Zufall in eine Verkehrskontrolle und - da ihr Asylantrag abgelehnt wird - in die Tuerkei abgeschoben wird, kommt es dort - wieder durch Zufall - zu einer Katastrophe... Sechs Personen unterschiedlichster Art beobachtet der Regisseur Fatih Akin und zeichnet ihre Lebenwege, voller Symphathie, aber ohne ihr Verhalten moralisch zu bewerten. Manchmal kreuzen sich diese Geschichten, manchmal laufen sie nebeneinander her, ohne sich zu beruehren. Es ist die grosse Kunst dieses Filmes, die verwickelten Erzaehlstraenge auf zugleich raffinierte wie auch verblueffend einfache Weise zu einem geschlossenen, stimmigen Epos zu verbinden - spannend,anruehrend,erhellend. Vielleicht sind ein paar zuviel Probleme eingepackt: Generationen- und Migrations-Konflikte, politische und religioese Auseiandersetzungen,Verwerfungen in christlichen wie muslimischen Traditionen, lesbische Liebe,Schmerz und Tod. Auch klingen manchmal die Dialoge nach Papier (besonders bei der sehr langsam und ruhig artikulierenden Hanna Schygulla),aber die dramatische Kraft, die bewegte und ausgefeilte Bildsprache sowie die eindrucksvollen deutschen und tuerkischen Darsteller fegen solche Einwaende schnell hinweg. Eine kraftvolle, vielschichtige Filmerzaehlung, die alle Klischees vermeidet, die sowohl ueber Tuerken wie ueber Deutsche noch in zuvielen Koepfen haften, - bewegende Geschichten ueber Menschen unserer Zeit, ob sie nun in Bremen oder Istanbul zu Hause sind.

Verleih: Pandora

yella.jpgYella, eine noch junge Frau, lebt in der ostdeutschen Provinz. Die Firma ihres Mannes ging Pleite, ihre Ehe in die Brueche. Sie hat sich deshalb um die Stelle einer Buchhalterin in Hannover beworben. Doch bei ihrem Dienstantritt findet sie nur den Gerichtsvollzieher vor. Im Hotel lernt sie den smarten Philipp kennen, der fuer eine Gruppe arbeitet, die Firmen in akuter Finanznot Kredite gegen Unternehmensbeteiligung vermittelt. Yella wird erst seine Sekretaerin, dann Komplizin und Geliebte, die ihrerseits zu betruegen beginnt oder marode Gegenspieler eiskalt erpresst. Aber sie lebt auch in Angst, hoert gelegentlich seltsame Geraeusche oder glaubt sich von ihrem eifersuechtigen Ehemann verfolgt. Am Ende ereignet sich ein toedlicher Verkehrs-Unfall und enthuellt die ganze Geschichte als eingebildete Wahn- oder Schreckensvorstellung der sterbenden Yella. So kunstvoll ausgedacht wie diese dramaturgische Struktur, so kuenstlich bleibt der ganze Film. Eine in sich abgeschlossene Welt von Wirtschaftsbetruegern in neutralen Hotelhallen und schicken Bueros, oder - ueber weite Strecken - bei endlosen Autofahrten. Kontrastiert von einigen wenigen Bildern der immer noch aermlichen ostdeutschen Kleinstadt Wittenberge und den saftig-gruenen Elbauen. Die Dialoge klingen oft papiern, was sich besonders bei den knapp gezeichneten Nebenrollen stoerend bemerkbar macht. Die Inszenierung selbst besticht durch ihre schnoerkellose und geradlinige Erzaehlweise und durch manch praezis beobachtetes Detail. Was aber den Film bemerkenswert macht, ist die ueberzeugende Verkoerperung der beiden Hauptfiguren. Nina Hoss blickt mit grossen dunklen Augen auf ihre Umwelt, scheinbar naiv und mitleid-erweckend, signalisiert aber gleichzeitig messerscharfem Verstand und intuitiven Durchblick. Der Philipp des Devid Striesow ist die klischeehaftere Rolle, aber der Schauspieler zeigt nicht nur die glatte Routine des ausgebufften "Brookers", sondern auch den melancholischen Charme eines Jungen, dem seine "Profession" ueber den Kopf waechst.
Christian Paetzold's "Yella" erzaehlt eine aktuelle und interessante Geschichte - aber so kunstvoll-kuenstlich, dass alle Vitalitaet, alles echte Leben dem Film entgleitet und er dadurch insgesamt einen zwiespaeltigen Eindruck hinterlaesst.

Foto: Hans Fromm

tuyashochzeit_scene_07.jpgDer chinesische Film "Tuyas Hochzeit" - Gewinner des diesjaehrigen Goldenen Baeren - schildert die Versuche einer jungen Frau und ihrer Familie in den rauhen und kargen Gegenden der Mongolei zu ueberleben.Sie liebt ihre baeuerliche, einfache Lebensweise und will nicht in eine der neuen, wirtschaftlich aufbluehenden Staedte ziehen. Althergebrachtes stoesst auf Modernes,Menschenwuerde auf Skrupellosigkeit und Korruption. In schoenen, klaren Bildern, vor allem prachtvollen Landschaftsaufnahmen, erzaehlt der Film eine anruehrende Liebes- und Ehegeschichte, bleibt aber doch sehr konstruiert. Auch die guten (Laien-)Darsteller und besonders die beeindruckende Schauspielerin der Tuya vermoegen diese Schwaeche nicht voellig zu ueberspielen: ein gut gemeinter und spannender, aber doch zu schematischer Einblick in eine ferne Welt.

Verleih: Arsenal

amendekommentouristen_scene_05.jpg Aehnliche Schwaechen zeigt auch der deutsche Film "Am Ende kommen Touristen" des Nachwuchs-Regisseurs Robert Thalheim ("Netto").Der junge Sven leistet seinen Zivildienst ziemlich zufaellig im polnischen Oswiecim ab und wird mit den Problemen konfrontiert, die sich aus der Naehe des Vernichtungslagers Auschwitz und dem infolge der Nazi-Verbrechen schwierigen Umgang zwischen heutigen Deutschen und Polen ergeben. Das ist durchweg sehr gut und sensibel beobachtet und oeffnet den Blick auf menschliche Verhaltensweisen ohne zu moralisieren. Aber die filmische Umsetzung ist sehr konventionell und wenig ueberraschend. Die Darsteller sind gut ausgesucht,ueberragend Ryszard Ronczewski als ehemaliger KZ-Haeftling, doch die Inszenierung ueberschreitet den Rahmen eines guten,"kleinen Fernsehspiels" nie. (Das ZDF hat mitproduziert).

Verleih: X-Film


hallamfoe02.jpg Hallam Foe, 18 Jahre alt, hat sich nach dem raetselhaften Tod seiner geliebten Mutter in ein Baumhaus auf dem Anwesen seines Vaters, eines Architekten in der schottischen Provinz, zurueckgezogen. Von dort beobachtet er die Liebesspiele seiner Schwester oder die neue,elegante Stiefmutter. Diese beschuldigt er offen, seine leibliche Mutter getoetet zu haben. Die Situation im Haus ist deshalb vergiftet und Hallam flieht nach Edinburgh. Dort begegnet er einer jungen Frau, die verblueffend der toten Mutter aehnelt. Er nistet sich in einem Wahrzeichen der Stadt, dem Uhrenturm, ein und beobachtet sie (und ihren Liebhaber) zunaecht, verdingt sich dann als Tellerwaescher und Page in dem Luxushotel, in dessen Personalbuero sie angestellt ist. Schliesslich kommt es zu einer intimen Begegnung und als sie entdeckt, warum er ihr nachstellt, scheint sich eine Kathastrophe anzubahnen...  Eine ziemlich verquere Geschichte mit allerlei Anspielungen auf Freud und Hitchcock, aber sehr attraktiv inszeniert vor der Kulisse des meist naechtlichen Edinburgh (Regie: David Mackenzie). Vor allem aber halten exzellente Darsteller die etwas spleenige Tragi-Komoedie zusammen, besonders Jamie Bell (der inzwischen erwachsen gewordene "Billy Elliot") als gelegentlich kauziger, dann aber auch charmanter Heranwachsender, der jedoch im Ueberschwang der Gefuehle auch sehr verletzend sein kann. Intelligente Unterhaltung mit spezifisch "schottischem" Akzent.

Verleih: Prokino

513q55jrg3l._aa240_.jpgMan muss die Bauten von Frank Gehry nicht moegen - aber streiten darueber laesst sich vortrefflich. Die 2005 in Los Angeles gedrehte Dokumentation zeigt den umstrittenen Architekten in ausfuehrlichen Gespraechen mit seinem Freund, dem Hollywood-Regisseur Sidney Pollack ("Jenseits von Afrika","Tootsie"). Darin geht es vor allem um den kreativen Prozess und seine Bedingungen: wie entsteht Architektur, wann und wie wird aus einer Idee ein Bauwerk, welche Rolle spielen Auftraggeber, welche die finanziellen und ortsabhaengigen Bedingungen ? Natuerlich vermoegen auch die ausfuehrlichen Refexionen des inzwischen 78-jaehrigen Gehry keine eindeutigen Antworten zu geben, aber sie ermoeglichen Einblicke in die Gedanken- und Vorstellungswelt des weltberuehmten Baumeisters, sie zeigen auch wie aeussere Einfluesse, zum Beispiel ein altes Gemaelde von Hyronimus Bosch, Anregungen zu seinen Bau-Ideen liefern koennen. Wie sich aus (fuer Aussenstehende undeutbaren) Skizzen ueber Bastel-Arbeiten mit Holz und Papier langsam der Grundentwurf herausschaelt, und wie der dann mittels Computer zum plastischen Bauplan entwickelt wird. Ein kuensterischer und technischer Prozess zugleich.
Gleichzeitig ergibt sich aus diesen Interviews der kompizierte Lebensweg Gehry's. Ueber die Kindheit in Kanada, den Umzug der Familie nach Kalifornien, die Suche nach einem Beruf, die ersten unbefriedigenden Versuche als Architekt und endlich der Durchbruch mit extravaganten Privathaeusern. Und auch die Frage taucht auf, ob der Ruhm seinen Werken eher genuetzt oder geschadet hat. Freunde und Kollegen geben kurze Kommentare und Einschaetzunge zur Bedeutung seiner bekanntesten Bauten wie dem Vitra-Museum in Weil,der Sporthalle in Anaheim,dem Bankhaus in Berlin, aber vor allem dem gross-dimensionierten Guggenheim-Museum in Bilbao.
Filmisch wird aus dem Vollen geschopft,die Schauplaetze und Bauten in aller Welt werden ausfuehrlich gezeigt,Statements von Freunden und Kritikern, vom Guggenheim-Chef Thomas Krenz bis zum Musiker Bob Geldof eingeholt. Vielleicht ist dieses Film- Portraet insgesamt etwas zu lang geraten, vielleicht waere eine etwas groessere Distanz zum Portraetierten von Vorteil gewesen, dennoch bieten diese 95 Minuten einen vielschichtigen und anregenden Einblick in die Welt eines der wichtigsten Architekten der Gegenwart.

Foto: Titel der DVD (US-Ausgabe)