Don Carlos CGroßer Ehrgeiz eines mittleren Stadt-Theaters: Giuseppe Verdis groß-dimensionierte Oper soll auch mit bescheideneren Mittel ihre volle Wirkung ausspielen. Das gelingt nur partiell. Der erste Akt, der im französischen Fontaineblau spielt (und in der hier gezeigten italienischen Fassung normalerweise weggelassen wird), ist stark verkürzt, spielt auf der Vorderbühne vor einer Wald-Tapete und erzählt knapp die Vorgeschichte des königlichen Dramas. Danach der Ortswechsel in ein finsteres Spanien: flache Treppen beherrschen die Spielfläche, glatte, schwarze Wände, gelegentlich ein paar Kreuze sollen die düstere Atmosphäre beschwören.

Die Personenregie (Intendant Martin Schüler) beschränkt sich auf ein exzessives Trepp-Auf und Trepp-Ab, der Chor müht sich an der Rampe, den Blick meist ins Parkett (oder zum Dirigenten) gerichtet. Musikalisch verleiht Generaldirigent Evan Christ dem historischen Liebes-und Inquisitions-Drama zügiges Tempo und schillernde Farbe, bleibt aber dem melodiösen Glanz gelegentlich Einiges schuldig. Sängerisch und darstellerisch triumphieren die tiefen Männer-Stimmen: allen voran Andreas Jäpel als Posa mit samtig-glänzendem Bariton und Tilman Rönnebeck als männlich-kraftvoller König Philipp. Aber auch Chrstian Henneberg in der zum Bariton gewandelten Mini-Rolle des Grafen Lerma lässt aufhorchen. Temperamentvoll und mit dramatischem Elan: die Eboli von Marlene Lichtenberg – leider fiel ihr hübsches Schleier-Lied (wie auch einige andere Noten) der kürzenden Schere zum Opfer, um den Abend auf 3 Stunden zu begrenzen. Das zentrale Paar Elisabeth-Carlos (Stella Mortina und Jens Klaus Wilde) zeigt sich darstellerisch sehr engagiert, ist musikalisch jedoch - trotz kraftvollen Stimmeinsatzes - nur eingeschränkt überzeugend.

So bleibt am Schluß bei allem freundlichen Beifall des Publikums die Frage offen, ob hier das richtige Stück für den richtigen Ort gewählt wurde. Vielleicht wäre eine "halbszenischen" Aufführung (in Cottbus bestens bewährt!) die glücklichere Entscheidung gewesen.

Premiere: 16.April 2016                                                                 

Foto: Marlies Kross /Staatstheater Cottbus