ZoroastreJean-Philippe Rameau's barocke Oper "Zoroastre", 1756 in Paris uraufgeführt, macht seine abstrakte Gedankenwelt, die über die Mächte des Lichts und der Finsternis, über Güte, Liebe und Hass reflektiert, in einer antikisierenden Handlung um Könige, Prinzessinen und mythologische Erscheinungen sichtbar. Natürlich triumphieren im Zeitalter des französischen Absolutismus und der Aufklärung am Ende Licht, Klarheit und Helle.

Wie kann diese ferne (Geistes-)Welt einem heutigen Zuschauer nahegeebracht werden? In der Komischen Oper setzen Dirigent (Christian Curnyn) und Regisseur (Tobias Katzer) auf's Schlichte: den Streit um einen Gartenzaun zwischen zwei modernen Vorort-Häuschen. Das eine gehört dem feingeistigen Zoroastre, mit Bücherwand und üppigen Blumenrabatten, das andere andere dem prolligeren Abramane, in Jeans und Cowboystiefeln, der eher auf Computerspielen steht. Ihr ausbrechender Streit um ein Stück Rasen und den immer wieder verschobenen Gartenzaun (vom Baumarkt geliefert), eskaliert sehr schnell. Vor der Pause sieht sich das überwiegend komisch und grotesk an, nach der Pause wird' s hinter Sandsäcken und Betonbarrikaden nur noch grau und düster. Da tragen auch die sybolisch auf der Videowand (oder in den Prszeniumslogen) kriechenden und als Ameisen verkleideten Chormitglieder wenig zur Verhinderung des Spießer-Streites am Gartenzaun bei:  statt Licht und  Aufklärung nur eine banale Alltags-Affaire.

Und die Musik? Passend zum rabiaten Geschehen auf der Bühne tönt es laut und polternd aus dem Orchestergraben. Von der Feinheiten und Raffinessen der Rameauschen Partitur - im Programmheft extra hervorgehoben  - wenig zu hören, nur gleichförmiges Dauer-Forte. Die Sänger müssen sich dehalb mit viel Kraftanstrengung und Überdruck durchsetzen, was bei einigen schlicht zur Überforderung führt.

"Zoroastre" von Rameau wird mit dieser Inszenierung erstmals auf einer Berliner Bühne gezeigt - dem großen Komponisten hat sie eher einen "Bärendienst" erwiesen - auch wenn in der Premiere der Gartenzaun-Klamauk nach fast drei Stunden heftig beklascht wurde.

Premiere: 18. Juni 2017

weitere Vorstellungen: 24./ 28.Juni. // 6./ 8./14.Juli 2017

Foto: Monika Rittershaus / Komische Oper Berlin (Thomas Dolié als Abramane und Nadja Mchantaf als Erinice)