Jacques Offenbachs nahezu unbekannte Oper "Die Rheinnixen" ist in diesen

Tagen am Cottbusser Staatstheater in einer halb-szenischen Auffuehrung zu

erleben( noch bis 3.Dzember).



Und das Publikum staunt nicht schlecht: vor romantischer Schlosskulisse im Mondenschein locken Feen und Geister zu den suessen Klaengen der beruehmten Barcarole (vom Komponisten spaeter wiederverwendet in "Hoffmanns Erzaehlungen" !) boese Ritter in die toedlichen Fluten des Rheins. Doch die krude, vaterlaendisch eingefaerbte Love-Story aus kriegerischen Reformations-Tagen hat einen breiten Erfolg dieses romantischen Werkes seit seiner Urauffuehrung 1864 in Wien bis heute verhindert.

Auch die attraktive Cottbusser Praesentation wird daran kaum etwas aendern.

Aber Offenbachs Musik begeistert: verbindet deutsch-romantische

Gefuehlswelten und patriotische Begeisterung mit franzoesicher Leichtigkeit und

mitreissendem Charme. Schade, dass kein Heine das Libretto verfasste...

(ali)

Die Intendantin der Deutschen Oper Berlin, Kirsten Harms, versuchte sich als
musikdramatische Schatzgraeberin und foerderte einen italienischen Schmachtfetzen aus dem Jahre 1902 zu Tage: ein Liebesdrama vor dem Hintergrund der deutschen Freiheitskaempfe gegen Napoleon. Musikalisch ein eher koventioneller Mix aus Wagner und Verismo, jedoch ohne zuendende Arien und ohne orchestralen Pfeffer. Der neue Generalmusikdirektor Renato Palumbo versuchte mit grossem Gestus dramatische Funken zu schlagen, rettete sich und die meist mittelmaessigen Saenger aber nur in uebermaessige Lautstaeke.
Auch die dezent-biedere Inszenierung der Intendantin vermochte nicht die Frage zu beantworten, warum ein solch duemmlicher Hurra-Patriotismus ausgerechnet in heutigen Zeiten so ironie- und kritikfrei auf eine staatliche Opern-Buehne gehievt werden muss.
(ali)

Das neue Theater liegt an einem wunderbaren Ort - dem Tiefen See
gegenueber dem Park von Babelsberg. Auch der Bau mit seinen roten Muschel-Daechern und den verglasten Foyers besitzt grosse Attraktivitaet. Die Eroeffnungs-Premiere bot allerdings nur
braves Stadt-Theater: gefaellig inszenierte Lokal-Historie.Als Auftakt verstaendlich, aber jetzt muss das neue Theater noch seinen "Kopf" beweisen...