Eine schoene Idee:  das soeben fertiggestellte, "kritisch" restaurierte Neue Museum mit Musik- und Tanz der Oeffentlichkeit vorzustellen. Sasha Waltz laesst ihre Taenzer, das Vocalconsort Berlin und das Solistenensemble Kaleidoskop die vielen noch leeren Raeume in fliegenden Wechsel bespielen: mit kurzen taenzerischen Sequenzen, mit klangschoenen Chorgesaengen und - ueberwiegend - zeitgenoessischer Kammermusik (Ligeti,Kurtag,Xenakis u.a.)  Das Publikum darf waehrend der zweieinhalb-stuendigen Performance frei durch das Museum wandern, den Taenzer, Choristen und Musikern zuschauen oder zuhoeren, kann aber auch an ihnen vorbei in den naechsten Saal oder ins naechste Stockwerk schlendern. Oder in der grossen Bar im Keller eine Erfrischung geniessen, denn Sitzgelegenheiten sind - bis auf wenige kleine (Heizungs-)Baenke -  rar. Besonders wirkungsvoll ist ein Zwischenspiel der gesamten Ensembles im monumentalen Treppenhaus:  hier bewirkt der alte Theatertrick mit der Show-Treppe verblueffende und faszinierende Effekte. Eher sentimental bleibt dagegen das Schluss-Tableau -ebenfalls in der Treppenhalle: zum Adagio aus Bruckners Streich-Quintett betten sich alle Mitwirkenden dekorativ um die Musiker herum wie zur erhabenen Kunst-Andacht.
Ueberhaupt: die einzelnen Tanz-Sequenzen scheinen oft beliebig,  jeder Zuschauende darf - so er Lust dazu verspuert - in die Bewegungsablaufe Bezuege zu den jeweiligen Raumen hinein-deuteln. Manche der meist elegant-schlichten Kostueme und Kopfbedeckungen geben dazu auch Anlass; viellfach aber schwanken die Szenen zwischen Minimalismus und grosser Geste, Pathos und leiser Ironie, Kunst und Kunstgewerbe. Der heilige Ernst mit dem die Taenzer durch die bewusst als Ruinen gelassenen Raeume schreiten oder sich drehen, wirkt eher komisch als kuenstlerisch,, manchmal droht die Grenze zum Bedeutungs-Kitsch.
Fabelhaft aber ist die akustische Seite der Vorstellung und der exzellente Vocalconsort sowie die flexiblen  Musiker des Ensembles Kaleidoskop hinterlassen die besten Eindruecke. Insgesamt ein zeitgeistig-vielschichtiger, aber auch etwas praetenzioesen Abend.

Foto: Bernd Uhlig

Nur noch bis 30.Maerz 09; alle Vorstellungen sind ausverkauft